Archiv für Juli 2012

Babelsberg vs. SVD 2:0

Kommentar: Kacper-Theater

Der Darmstädter ist wieder in seinem Element. Die Extreme sind sein Zuhause, der Wahnsinn ist seine Normalität. Ein 0:0 gegen Unterhaching, zugegeben, eines der Sorte, wo man dank Keeper Zimmermann eher von einem ‚gewonnenen‘ Punkt sprechen kann, und schon brennt der Baum am Böllenfalltor, oder zumindest drum herum.

Was angesichts der großflächigen Waldbrände in Südeuropa bedrohlich klingt, mag für den zwischen Erzhausen und Heppenheim rar gesäten Basisrealisten vielleicht nur ein Strohfeuer sein. 45 schlechte Minuten waren das gegen den ersten Gegner, der traditionell von den Heinern als „Abstiegskandidat Nummer Eins“ auserkoren wird – und weiter?

Der Insider weiß, es kommt tatsächlich noch dicker: Wo bleiben bloß die erhofften namhaften Neuverpflichtungen? Zu große Namen und gealterte Profis sollten das zwar nicht sein, schließlich gelten die als satt. Aber einen, den dennoch auch die stets daheimbleibende Frau von Opa Schorsch von der Gegengerade kennt, so einen könnte man doch mal holen. Nur verdienen darf er nicht zu viel, der Söldner, Söldner sind sie schließlich alle und da Costa ist der Allerschlimmste.

Kurzum: Der Heiner wünscht sich 20-jährige Stars, die 30 Jahre Erfahrung mitbringen, deren Namen jeder kennt, von denen noch keiner gehört hat und die für maximal 400 Euro im Monat spielen – ohne dass dabei in Uwes Trickkiste gegriffen werden muss.

Solche Leute bekommt man seit der Berlusconisierung des Weltfußballs entweder nur mit guten Kontakten zum Sepp aus der Schweiz, der von Zürich aus sein globales Kasperletheater auf der Basis von Kontofehlbuchungen russischer Oligarchen und arabischer Emirs steuert, die sich statt Gartenzwergen Weltstars im Vorgarten wünschen (im Fall Messi eine fließende Grenze), oder eben, wenn man den Kasper persönlich kennt.

Hier kommt Coach Kosta (beim ZDF nennt man ihn auch Oli Kahn’s Gehirn) ins Spiel: Nicht erst seit dem fußballbezogenen Sommerurlaub auf Usedom scheint er sich in Polen auszukennen. Vielleicht am Sandstrand, aber eher in der dritten polnischen Liga beim fleischgewordenen Zungenbrecher Chojniczanka Chojnice, in Deutschland nur Liebhabern zünftiger Sportplatzschlägereien ein Begriff, hat er ihn ausgegraben: Kacper Tatara.

Geschickt wie Kosta ist, lies er das polnische Talent (aus dem Hintergrund höre ich schon wieder eine kritische Stimme mit südhessischem Akzent: „Talent? Wo dann? Im Autoknagge vielleischt!“) bereits vor einem Jahr am Böllenfalltor als Testkicker vorspielen: Seither kennt jeder seinen Namen und dennoch hat keiner von dem Mann mit offenbar internationaler Erfahrung je gehört.
Passt also hundertprozentig ins Profil! Wäre da nur noch die Sache mit dem Gehalt von Kielbasa-Kacper, wie man die „polnische Wurst“ (frei nach Lilienforum) in seinem Heimatland wohl nennen würde. Na, ist doch klar: 400 Euro Jobber, dafür verfugt er nebenher die Fließen in der Umkleide und abends schläft er bei seinen Freunden auf‘m Feld draußen vor Griesheim. Wer war noch mal Uwe?

Der Wunschspieler – selbst der kritischsten Fans – wäre also gefunden. So stehen wir am Ende sicher nicht unter Haching.

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