Pädo FC – Darmstadt 0:0

Da war sie nun, die von vielen so gespannt erwartete Auswärtsfahrt nach Chemnitz. Endlich in den wirklich wilden Osten, nicht nur so ein Hüpfer über die hessische Grenze, nein, tief ins unerforschte Land sollte es gehen.

Die Vorfreude hielt sich dann aber doch in den Grenzen der üblichen Verdächtigen und der weiteren üblichen Verdächtigen. Na klar, Ostersonntag, ok, Familie, ja, gut, aber der Rest? Wozu sind wir denn aufgestiegen? Genau für diese Spiele, genau für diese Auswärtsfahrten, und da schaffen es nicht mehr als 120 Heiner sich aufzuraffen und – wo schon mal die Arbeit kaum als Hinderungsgrund gelten kann – ins gelobte Land der günstigen Eintritts- und Verpflegungspreise aufzubrechen? Schade und schon fast ein wenig peinlich für eine Fanszene, die sich für „zweitligareif“ hält. Kann dann ja lustig werden, irgendwann mal Freitag um 18 Uhr in Cottbus…

Immerhin gibt es sogar noch Leute, die Ihren Reisebus als „einzige Meeglichkeit“ sogar schieben, um das Spiel zu erreichen. Unfassbare Szenen an der früheren innerdeutschen Grenze, immerhin kam der Antrieb auf der Rückfahrt ohne Muskelkraft zurecht.

Schade auch, dass sich von den ohnehin schon wenigen Anwesenden einige darin verloren im mehr als angetrunken Zustand durch den 1,5m-Pufferblock Verbalkontakt zu Chemnitzer Anhängern zu pflegen, den sie sich selbst bei 1.200 Gästefans nicht zutrauen würden, wenn nicht der Doppelzaun dazwischen wäre. Sich dem Heimanhang auf diesem Niveau und in dieser Anzahl aufzudrängen geht nicht immer gesund aus. Dass im Notfall andere für einen in die Bresche springen, sollte man auch nicht voraussetzen. Dies resultierte nach erfolglosen Debatten in einen spontanen Standortwechsel einiger stimmungsinteressierter Leute, die sich damit sicherlich nicht vom Rest der Fanszene oder dem Großteil der anwesenden Personen, sehr wohl aber vom Verhalten an diesem Pufferblock distanzieren wollten.

Just in diese Phase fiel das bereits erwartete „Lilienschweine“-Stakkato der Heimkurve, das mit einem für diesen Fall vorbereiteten Banner unter dem Motto „Du musst ein Schwein sein in dieser Welt“ umgehend gekontert wurde. Weiteren Rufen war damit natürlich die Luft aus den Segeln genommen, was auch die Chemnitzer leicht überrumpelt einräumen mussten. Statt sinnlosem 08/15-Gepöbel wurden nun sprachwitzige Duelle à la „Arbeit gibt’s für euch nur in Frankfurt!“ vs. „Arbeit gibt’s für euch überhaupt nicht!“ geführt. Bei irgendeiner auf sächsisch erwähnten Fahnengeschichte fühlten wir uns dagegen nicht wirklich angesprochen, weiß der Geier, was die meinten ;) .
Dadurch angestachelt und aufgeweckt folgte sogar inniger Support für die eigene Mannschaft, die sich wacker zum Auswärtspunkt schlagen konnte. Über lange Strecken war aus dem Chemnitzer Block sonst nur Singsang aus dem harten Kern zu hören, gegen Spielende legten die Himmelblauen stimmungstechnisch aber einiges in die „drei-Punkte-olé“-Waagschale. So waren es am Ende lediglich die Stöhn-Geräusche des Stadionsprechers in das nicht ausgeschaltete Mikro, die Minus- und lautstarke Bedenkenpunkte für den Gastgeber ergaben – man sollte wirklich mal schauen, wo sich die Einlaufkinder während des Spiels aufhalten.

Die Mannschaft bedankte sich artig für die Unterstützung, lachte über die Lilienschweine und „Arbeit“-Fangesänge, wir taten es ihr für den hart erkämpften Punkt gleich. Im Grunde alles in Ordnung, dennoch der peinlichste Auswärtsauftritt seit Jahren.

Nur wer da war, kann auch mitreden, also auf nach Jena!