Erfurt und die Medien…

Nun haben wir euch einen halben Tag mit unserer „Glosse“ rund um den Umgang der Medien mit den Geschehnissen in Erfurt allein gelassen. Wir sind überzeugt, dass ihr sicher keinen ernsthaften Zusammenhang zwischen Gaddhafi, Hurrican Irene und den Lilienfans gesehen habt. Vielmehr ging es uns darum aufzuzeigen, was die Veröffentlicher der vorschnellen Meldungen (allen voran der MDR) mit solchen schlecht recherchierten Informationen auslösen können:

Der Imageschaden für unseren Sportverein ist deutlich größer als der tatsächliche Schaden, der am Samstag entstand.

Es gibt einen aus der Verankerung gehobenen Mülleimer im Gästeblock und… 55 Verletzte. Ja, das klingt in der Tat schockierend, findet auch der Erfurter Präsident Rombach. Sicherlich wird sich der Vereinsvorstand durch diese erschreckende Berichterstattung erst Recht unter Druck sehen mit voller Härte gegen die Übeltäter vorzugehen. Bekanntlich braucht es für ein Stadionverbot ja ohnehin nicht mal einen begründeten Verdacht: Nur die Annahme, dass man in Zukunft an einem sicherheitsbeeinträchtigenden Tat teilnehmen könnte, genügt in unserem ‚Rechtsstaat‘ um ein solches auszusprechen – wenn man es unbedingt darauf anlegt. Eine Anhörung ist übrigens nicht verpflichtend. Aber genug des Exkurs, legen wir doch mal Überraschendes auf den Tisch:

Der Bericht sprach also von 55 Verletzten durch Flaschen- und Steinwürfe, allesamt Polizisten und Ordner, sogar fünf DRK-Sanitäter (sorry an das DRK, dass wir dieses Kuriosum in unserer Glosse speziell auf die Schippe nahmen) seien so verletzt worden. Jeder, der in Erfurt war, weiß, dass das nicht so ist, und ebenso viele Sanitäter angegriffen wurden, wie Polizeihubschrauber abgestürzt sind. Jetzt tauchen erste Berichte auf, die davon sprechen, dass 52 von diesen 55 Verletzten durch Reizstoffe, also Pfefferspray und Tränengas, zu Schaden gekommen seien.
Wir wissen es, Außenstehende mögen es ahnen: Die Lilienfans reisen normalerweise NICHT mit solchen Chemikalien zum Auswärtsspiel an. Vielmehr deckt sich diese Statistik mit den Hauptbeschwerden der Lilienanhänger: Einen unkontrollierten, gießkannenartigen Umgang mit diesen Stoffen seitens der Einsatzkräfte. Der läge dann auf der Hand: Wie sonst schafft es die Polizei nachweislich derart viele Kollegen und andere Helfer zu verletzen?

Natürlich, es gab einige Scharmützel mit Beteiligung von Lilienfans, aus unserer Sicht wurden diese durch einen unnötigen Polizeieinsatz erst ausgelöst. Ohne näher darauf einzugehen: Das muss aufgearbeitet werden und soll hiermit nicht entschuldigt werden – aber die Statistik lügt bekanntlich nicht. Trägt der größere Hooligan heute Uniform? Eine interessante Frage, mit der sich gerne der MDR beschäftigen darf. Er ist uns zumindest eine Entschuldigung schuldig, sollten sich diese Zahlen endgültig bewahrheiten.

Update: Ausgerechnet der MDR selbst wiederlegt sich: In MDR aktuell vom Samstag, 27.08.11 um 22:45 Uhr kann man PD Zimmermann zuhören, wie er erklärt, dass 52 Verletzte durch die Reizstoffe der Polizei zu Schaden kamen. Warum die dt. Medienlandschaft landauf landab die 55 Verletzungen den Darmstädtern in die Schuhe schiebt? Man weiß es nicht…

Direkter Link: http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/video10482_zc-7931f8bf_zs-2d7967f4.html