Archiv für Mai 2011

SVD vs. Memmingen

Spiel:
Um den Aufstieg klar zu machen, musste um wirklich sicher zu gehen ein Sieg gegen Memmingen her.
Vor 17.000 Zuschauern zeigte unsere Mannschaft keine Nerven und ging in der 14. Minute durch Oliver Heil in Führung. Auch er war es der in der 37. Minute auf 2:0 erhöhte.
Kurz vor der Halbzeit konnte Sven Sökler mit einem wunderschönen Treffer, den Aufstieg perfekt machen.
Memmingen in der zweiten Halbzeit etwas organisierter in der Defensive, dennoch konnte Heil kurz vor Schluss den 4:0 Endstand erzielen.

Support:
Nach 18 Jahren hatte man endlich wieder die Chance in den Profi-Fußball zurückkehren.
Was dieser Tag für den Verein und besonders für die Fans bedeuten sollte, dürfte jedem klar sein.
Die aktive Szene traf sich mit vielen weiteren Lilienfans, am Marktplatz in der Innenstadt.
Von dort ging es zu Fuß zum Stadion.
Traurig das neben dem kontrollierten Abrennen von Pyrotechnik auch einige wenige Leute, durch das werfen von Böllern andere Fans gefährdeten und wieder ein schlechtes Bild auf die Fanszene buchstäblich werfen.
Das Spiel wurde mit einer schicken Choreografie eingeleitet, der Support durch den Spielstand und den winkenden Aufstieg bedingt natürlich sehr gut.
Nach dem Spiel wurde dann noch friedlich gefeiert, ehe Team-Green meinte noch mal die Muskeln spielen lassen zu müssen.
Am Ende alles Egal, der SVD spielt nächstes Jahr in Liga 3!

Worms vs. SVD

Worms vs. Lilien 1:2 (5350 Zuschauer davon c.a 3500 Lilien)

Es ist fast Samstag!

Mit dem Laufe der Woche verändert sich die Wahrnehmung unseres Duells in Worms. Dachten wir noch am Dienstag aufgrund von Nervosität und Angst bald explodieren zu müssen, scheint unser Kühlsystem mittlerweile aus dem Kurzurlaub zurückgekehrt zu sein. Dennoch leuchtet nicht nur vor meinem inneren Auge permanent ein rotes Licht, das in Biblis leuchtend längst für eine Evakuierung gesorgt hätte, die ein Spiel weder in Worms noch in Darmstadt zulassen würde. Naja, wahrscheinlich nicht mal am Bornheimer Hang, damit wären wir wieder beim Thema.

Mittwochvormittag. Irgendwie geht es mir besser. Immerhin konnte ich mir ein bisschen was von der Seele schreiben. Ich schaffe es sogar mich zwanzig, vielleicht sogar fünfundzwanzig Minuten am Stück auf meine Arbeit zu konzentrieren. Ein Kollege auf dem Weg ein menschliches Bedürfnis zu erledigen, möchte ein wenig Small Talk halten. Er fragt mich: „Na, schon heiß auf Worms?“. Ruhig bleiben, er meint es nur gut. Aber was für eine Frage… Mein Fieberthermometer beschlägt von Innen bei dem Versuch es herauszufinden.

Die Zeit am Mittwochnachmittag scheint rückwärts zu laufen. Sehnsüchtig warte ich auf Meldungen zum Gesundheitszustand von Sascha Amstätter. Wann habe ich mich zum letzten Mal so dafür interessiert, ob eigene Spieler eingesetzt werden können oder nicht? Wo ist diese Lockerheit hin, sich 30 Minuten vor Anpfiff den Aufstellungszettel zu besorgen, kurz drüber zu lesen, und das Gesehene Schulter zuckend zur Kenntnis zu nehmen? Ja, ich gebe zu: Dieser Zettel wird doch höchstens noch mal angeschaut, wenn es darum geht den Namen eines Gegenspielers oder des Schiedsrichters herauszufinden, um ihn dann gepflegt zu beleidigen. Diese Woche ist alles anders. Aber das wissen wir ja schon.

Mittwochabend: Die letzten 24 Stunden waren die längste Woche meines Lebens. Wie soll ich jetzt noch die drei Jahre bis zum Wochenende aushalten? Meine Freundin blättert auffällig lang im Telefonbuch von Goddelau.

Es ist Donnerstag. Passend zum Tagesnamen brechen endlich Neuigkeiten wie ein Gewitter auf uns ein: Bei unserem Mittelfeldmotor ist nichts gerissen, „nur“ eine Kapselverletzung liegt vor. Das Darmstädter Echo mag die Einsatzchancen dennoch nur auf „sehr gering“ beziffern. Wir kennen unsere Kampfsau besser, wir wissen: Sasch‘ wird am Samstag spielen, selbst wenn er im Rollstuhl den Wormaten hinterher jagen muss. Welch‘ Hochgefühl, kein Bangen sondern Sicherheit und das nicht trotz, sondern WEGEN dieser Diagnose. Am Sieg in Worms gibt es keinen Zweifel mehr. Kurz darauf ein Anruf aus der Schweiz: Wie viel Geld ich eigentlich für die besorgten Karten für unsere Berner Freunde bekäme? 14 Karten x 7 Euro = 98 Euro. Ein Omen! Plant schon mal die Aufstiegsfeier! Was für ein Tag, dieser Donnerstag.

Wenig später werfe ich einen Blick auf die informative Homepage der Wormatia, im dortigen Fanforum nimmt man freundlich belustigt aber doch voller Vorfreude zur Kenntnis, wie nervös und geradezu gesundheitsgefährdend der Lilienanhang gestimmt ist. Sie finden es sympathisch. Es fällt kein böses Wort, obwohl sich im Internet die Fantrennung längst pulverisiert hat. Können uns solch‘ nette Leute wirklich noch das größte Erlebnis seit Jahrzehnten versauen? Das mag ich nicht glauben. Verträumt wandern meine Gedanken durch Erfurt, Jena und Offenbach.

Auf dem Rückweg zum blau-weißen Teil des weltweiten Netzwerks fällt mein Blick auf eine Nachricht auf der Hauptseite: Kapitän Rösner (ja, genau, der Nackte vom Jauch) darf nun doch spielen. Die Statistiker hatten ihm eine Karte zugeschrieben, die eigentlich Mitspieler Röser gesehen hatte. Das ‚N‘ macht den Unterschied. Denke ich an die letzten Tage, ja an die Freude über seine Sperre, müsste ich jetzt eigentlich durchdrehen, Morddrohungen gegen den Fußballverband aussprechen, die größte Verschwörung seit Sapina und Hoyzer vermuten, drei schwarze Katzen opfern und unsere Strafversetzung in die 7.Liga befürchten. Aber… es passiert nichts in mir. Der Glauben an uns selbst ist zurück gekehrt, es ist mir egal, wie der Gegner aufgestellt ist. Euphorisierte 3.000 + 11, vielleicht sogar mehr, werden am Samstag zusammen mit mir die vielleicht schlimmsten 90 Minuten ihres (Fußball-)Lebens durchleiden. Keiner ist allein mit diesem Schicksal, wir packen das!

Am Abend klingelt das Telefon erneut mit einer 0041er Vorwahl. Ein fünfzehnter vom Lilienfieber gepackter Eidgenosse betet regelrecht um eine Karte. Damit ist das Omen genauso dahin wie die Sperre von Rösner. Der Lauf der Erde. Sorgen macht mir das keine: Einer mehr, der mit uns diesen Lauf am Samstag beeinflussen möchte. Es macht mich froh. Ich kann schlafen.

Freitagmorgen, der Wecker klingelt, Alberto Colucci schreit mir die „Die Sonne scheint…!“ ins Ohr. Recht hat er. Das Leben ist schön, es ist fast Samstag! Macht euch locker aber seid bereit, wir haben morgen Großes vor!

Immer noch net Samstag…

Der achte Blick auf die Uhr in den letzten zehn Minuten? Nochmal im Kalender versichert, dass immer noch Mittwoch ist? Euer Chef schaut schon leicht kritisch, weil ihr das Lilienforum den ganzen Tag über den Bildschirm flackern lasst – nur in der leisen Hoffnung, irgendjemand oder irgendetwas könnte euch endlich DEN entscheidenden Aufschluss darüber geben, wie das Spiel am Samstag ausgeht?

Wir klammern uns derzeit an jeden Strohhalm, jede Kleinigkeit wird analysiert, jede Stimmung eingefangen und verarbeitet. Wir hängen fest in einem seltsamen Raum zwischen Nervosität, Ungeduld, Vorfreude und Angst. Hätte das Leben einen Zeitrafferknopf – in Darmstadt und Umgebung wäre längst Samstag. So bleibt uns aber nur die Möglichkeit jede Sekunde mit Gedanken an die Lilien zu verbringen und zu hoffen, dass die gefühlte Verstopfung der Erdzeit-Sanduhr bald behoben wird. Es bleibt viel zu viel Zeit für Gedankenspiele – und das obwohl jeder von uns zugeben muss, dass er gar nicht fähig ist einen klaren Gedanken zu fassen. Hinterfragt euch doch mal selbst, kommt euch das bekannt vor?

Samstagmorgen, noch leicht erfreut über den Heimspielsieg am Vortag wühle ich durch die Statistiken der Regionalliga Süd. Ich stelle fest: Wir haben die letzten sieben Spiele gewonnen. Das Gesetz der Serie sagt mir nichts Gutes, denn eine der Hauptregeln ist: „Jede Serie reißt einmal“. Nach einem Schluck Tee beruhige ich mich: „Stuttgart hat seit 13 Spielen nicht verloren!“ Warum mich das beruhigt? Weil eben jede Serie einmal reißt. Fast hätte ich also optimistisch in den Tag starten können, dann fällt mir auf, dass der nächste Gegner aus Worms auf dem dritten Platz der Rückrundentabelle rangiert, direkt hinter uns. Der Samstag ist gelaufen, auswärts beim Dritten, das kann doch nix werden.

Sonntagmorgen. Ich habe kaum geschlafen und kann noch weniger glauben, dass es noch eine ganze Woche bis zum Spiel der Spiele sein soll. Mein nervöser Körper lechzt nach Beruhigung. Ich nehme mir den Kader der Wormatia vor: Torjäger Rudi Hübner ist gegen uns gesperrt, gegen Stuttgart aber nicht mehr, Mittelfeldregisseur Oppermann fällt gegen uns wohl aus, könnte aber in Stuttgart wieder fit sein. Ja, hallo? Ganz klar, wer würde jemals zweifeln: Dritte Liga, wir kommen!

Montag ist Kicker-Tag. In steter Tradition wird regelmäßig Montag für Montag die bekannteste deutsche Fußballzeitung gekauft – jedenfalls seitdem wir Tabellenführer sind, heute also zum zweiten Mal. Die Frühstückspause auf der Arbeit unterscheidet sich lediglich dadurch von der Restarbeitszeit, dass ich meine Gedanken nun legal an die Lilien verschwende. Das Kicker-Studium tut mir nicht gut. Ich stoße wieder auf das Torverhältnis zu Gunsten der Stuttgarter. Ein Unentschieden in Worms ist quasi wie eine Niederlage. Das war’s dann wohl, ade du schöner Traum.
Wäre da nicht die Mittagspause! Mittlerweile lese ich den knapp zwanzigzeiligen Artikel über das Heimspiel gegen den FSV II zum achten, vielleicht auch neunten Mal. Den Rest vom Kicker habe ich nicht mal aufgeblättert. Bei genauem Hinsehen kann man herauslesen, dass der FSV hinten ziemlich gut stand – wir kamen ja auch nur durch Standards zu den Toren. Ha! Die Stuttgarter müssen da erstmal gewinnen. Hoffnung keimt auf.
Montagabend: Nach dem Auftritt eines sympathischen wohlbeleibten Kartoffelhändlers bei Günter Jauch huscht der der Spielführer der Wormatia kurz über den TV-Bildschirm, der Moderator verkündet, er sei nackt über den Internatsflur gelaufen und deshalb rausgeflogen. Bei der Auswahlfrage scheitert er an der Zuordnung von Feiertagen zu den jeweiligen Monaten in 2011 – und schon ist die Sendung für ihn wieder vorbei. Ich kann nicht schlafen: Bis spät in die Nacht grüble ich darüber, welche Auswirkung dieses Vorkommnis auf das Lilienspiel am Samstag hat.

Von Albträumen geplagt wache ich Dienstag schweißgebadet auf. Die erste Feststellung: Scheiße, immer noch net Samstag! Kurz darauf halte ich mich für einen Idioten. Nein, nicht weil ich am Abend fünf Stunden potentiellen Schlaf gegen die Frage was ein Kurzauftritt bei ‚Wer wird Millionär‘ für Konsequenzen auf ein Regionalligaspiel haben kann, eingetauscht hatte. Diese Frage erscheint mir weiterhin legitim. Ein Idiot ist, wer glaubt, der FSV II hätte gegen die blauen Stuttgarter auch nur den Hauch einer Chance. Alles ist gegen uns.
Auf die Mittagspause zugehend gibt es kaum noch einen Satz über den Aufstiegskampf der Regionalliga, den ich nicht gelesen hätte. Ich fange sogar an mir bei Google alle Ergebnisse für „Darmstadt 98″ aus den letzten 4 Tagen anzeigen zu lassen und sie systematisch abzuarbeiten. Mir kommt in den Sinn, dass die Wormatia am letzten Spieltag in Stuttgart antritt. Das wäre ein potentieller Patzer für die Kickers. Das gleicht die Sache mit dem FSV wieder aus. Ich bin beruhigt. Vielleicht.

Der Dienstagnachmittag fühlt sich an, als hätte mich Doc Brown (aka Christopher Lloyd) in einer verrückten Laune wieder zum Sonntagmorgen zurück geschleudert. Die Zeit vergeht einfach nicht. Mir fällt ein – welch revolutionärer Gedanke: Wir spielen ja selbst gegen die Wormatia. Wenn Stuttgart da patzen könnte, könnten wir’s dann nicht auch? Hilfe!

Dienstagabend, Treffen der anonymen Nervenzerfleischer vom Böllenfalltor in Wixhausen. 22 Mann rennen dem Ball nach, halb und halb auf Rot und Blau verteilt. Interessiert halt nur keinen. Stattdessen werden die Smartphones gezückt und voller Panik ein Live-Ticker gesucht, der uns die gelben Karten der gleichzeitig stattfindenden Partie Großaspach – Worms anzeigen würde. Wir werden fündig. Und nicht nur das, ‚Wer wird Millionär‘-Star Rösner sieht die fünfte Gelbe. Jubel in Wixhausen: Unser Sieg ist sicher. Fast wären wir zufrieden heim gegangen – da stellten wir fest, dass diese 22 Mann immer noch dem Ball nachrennen. Amstätter besonders engagiert, er kämpft, versucht den Ball zu kriegen, trifft ihn nicht volley, sondern landet mit dem Fuß auf dem Ball, das Gelenk knickt um, er muss raus. Verletzt, humpelnd, beim Kreispokal, vor DEM Spiel…. Wir steigen ab!

Mittwochmorgen: „Ruhig Blut, alles wird gut, oder? Wir haben einen breiten Kader, breiten Kader, keiten Brader, ich kann net mehr, immer noch net Samstag!!!“

…to be continued…

Offener Brief der Lilienfans an sich selbst

Liebe Lilienfans!

Unsere Begeisterung kennt derzeit keine Grenzen. Wir freuen uns über den tollen Zuschauerzuspruch in den letzten Spielen. Genauso freuen wir uns über das disziplinierte Auftreten der Lilienfans in den letzten Heim- und Auswärtsspielen. Es zeichnet unsere Fanszene in den letzten Wochen aus sich selbst zu disziplinierien und so manche kleine Dummheit in Eigenregie schon im Keim ersticken zu lassen.

Vor dem spannenden Saisonschlusspurt wollen wir als Fans, Fanverbände, -clubs und -vertreter einfach nur fordern: Macht weiter so!

Unterstützt unser Team zahlreich und lautstark und lasst Euren Emotionen freien Lauf! Aber beachtet dabei die Grenzen zu dem Bereich, in dem Ihr unserem Verein Schaden zufügen und gar unser gemeinsames Ziel gefährden könntet!
Unterlasst bitte das Abrennen von Pyrotechnik beim Spiel in Worms und während der 90 Minuten gegen Memmingen!
Lasst euch nicht dazu hinreißen sinnlos den Innenraum zu betreten!
Im Aufstiegsfalle werden wir die Möglichkeit zu ausgelassenen Feiern haben, keine Sorge!

Um bei den letzten beiden Partien einen reibungslosen Ablauf und eine bestmögliche Kommunikation zwischen Fans und Ordnungskräften zu gewährleisten, werden in Worms erstmals auch auswärts sechs Lilienfans als Fanordner eingesetzt. Zum Heimspiel gegen Memmingen werden wiederum 6 bis 9 Fanordner mithelfen. Unterstützt die ehrenamtlichen Helfer bei Ihrer Arbeit und seht sie als eure Helfer an!

Alles für die Lilien!

Fanverein Darmstadt 98 e.V.
Fanclub Blau-Weiß
Lilienfans Alt Bessungen e.V.
L.F.C.D. 98
FREAKS
Old-Men-Darmstadt
Usual Suspects
Ultras Darmstadt

P.S. Die Reste der mittlerweile insgesamt 3.000 Karten für das Spiel in Worms sind bei den Lilien oder bei Fanshop Sperl in der Innenstadt erhältlich. Bezüglich eines Entlastungszugs haben wir noch keine endgültigen Infos, sobald wir Definitives wissen, melden wir uns auf allen Kanälen. Bis dahin gilt: Treffpunkt 9 Uhr, Hauptbahnhof.